Her mit den Digital Designern!

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Her mit den Digital Designern!

Digitalisierung ist mehr als Technologie. Sie ist in weiten Teilen auch Design – digitales Design. Jetzt soll der „Digital Designer“ als eigenständige Rolle samt Ausbildung auch in Deutschland seinen Platz finden. Eine hervorragende Idee. Denn digitales Design setzt nicht erst beim „Aufhübschen“ der Oberflächen an. Sondern sollte Teil der Strategie und der Prozesse sein. Darauf beruht auch der Erfolg der digitalen „Pure Player“.

 

Der IT-Branchenverband Bitkom will das Berufsbild des „Digital Designers“ etablieren. Um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, hat er ein „Digital-Design-Manifest“ veröffentlicht, dass bereits zahlreiche Größen der Branche unterschrieben haben.

 

Gut so! Es wird höchste Zeit, dass die Informatik-Ausbildung nicht nur technische Fähigkeiten vermittelt, sondern auch Design-Kenntnisse.

 

Warum? Nun ja – um das Argument von Bitkom zu receyceln: Wer ein Haus bauen will, lässt die Maurer und Zimmerleute auch nicht einfach loslegen – und seien es die besten Handwerker weit und breit. Vielmehr engagiert der Bauherr erst einmal einen Architekten.

 

Und dieser konzipiert das Gebäude so, dass die Nutzer es später auch gut nutzen können. Zudem begleitet er den Bauprozess und stellt sicher, dass alles rund läuft.

 

Bei Digitalisierungsprojekten ist das bisher leider nicht so.

 

Zu oft füllen Techniker die Design-Rollen aus

 

Wer heutzutage Software entwickelt, auch im deutschen Mittelstand, schreibt nur selten einfach ein Programm. Er oder sie gestaltet komplexe Systeme.

 

Das geschieht fast immer im Team. In diesen Teams gibt es längst auch Rollen, die auf die Gestaltung ausgerichtet sind. Dabei geht es nicht nur um die visuelle Gestaltung der Oberflächen, um das „Hübschmachen“. Sondern um Prozesse und ein IT-Ökosystem.

 

Dafür ausgebildet sind diejenigen, die diese Rollen übernehmen, jedoch in den seltensten Fällen. Die Gestaltung der Software bleibt also Technikern überlassen. Die Nutzerfreundlichkeit des Systems ist somit Glückssache. Und die Prozesse selbst werden nur selten systematisch mit Hilfe von Design-Methoden erarbeitet.

 

Das ist zu kurz gesprungen.

 

Designorientierte Strategien und Prozesse setzten die Standards

 

Digitale „Pure Player“ wie Google und Amazon bringen mit designorientierten Strategien, Arbeitsprozessen und -methoden Digitalprodukte auf den Markt, die das Verhalten von Menschen verändern und die Nutzererwartung bestimmen.

 

Deutsche Unternehmen hingegen beschränken sich allzu oft auf die „Elektrifizierung“ ihrer Prozesse und nennen das dann Digitalisierung.

 

Am Ende haben sie noch nicht einmal die Chance genutzt, ihre internen Prozesse besser zu gestalten (= zu designen). Und die Erwartungen externer Nutzer erfüllen sie schon gar nicht. Oft wird versucht, dieses in bereits bestehende Software zu drücken und keine IT-Ökosystemlandschaft aufzubauen.

 

Nur fünf Prozent der IT-Studiengänge beziehen Design mit ein

 

Eine wichtige Ursache der Misere liegt tatsächlich in den Ausbildungsgängen – und dort ist sie auch zu beheben. Derzeit gibt es kaum Ausbildungen, die IT und Design verschmelzen:

 

  • Laut Bitkom legen 95 Prozent der Informatik-Studiengänge den Fokus allein auf technologische Kompetenz.
  • Nur bei fünf Prozent der Studiengänge finden sich Gestaltungsthemen wie Computervisualistik, Design, Multimedia oder Usability überhaupt im Lehrplan.

 

Die weit überwiegende Mehrzahl der Absolventen mag also technisch exzellent ausgebildet sein. Wie sie Software so gestaltet, dass auch Nicht-Techniker etwas damit anfangen können, hat sie an Uni oder Fachhochschule jedoch nicht gelernt.

 

Digital Design betrifft den Kern der Digitalisierung

 

Um einem Missverständnis vorzubeugen: Ich bin der größte Fan technologischer Exzellenz – in der IT und überhaupt. Technische Exzellenz allein reicht aber nicht aus für eine erfolgreiche Digitalisierung – in Unternehmen wie in der Gesellschaft insgesamt.

 

„Erfolgreiche Digitalisierung der Gesellschaft insgesamt?“ Ja, so wichtig ist die Sache! Denn die Software ist der Kern jedes Digitalisierungs-Projektes. Ihr Einfluss auf unser Leben und die Wirtschaft wächst ständig.

 

Und Software-Development ist – siehe oben – mehr als Technik. Besonders wenn es sich um Software handeln soll, die den heutigen Nutzererwartungen gerecht wird – oder sie gar fortentwickelt.

 

Was soll der Digital Designer genau machen?

 

Schauen wir in das Bitkom-Manifest: „Wir brauchen eine eigenständige und selbstbewusste Gestaltungsprofession für die Digitalisierung, mit einem klaren Berufsbild, definierten Verantwortlichkeiten und einer akademischen Kultur.“

 

Die Initiatoren betonen, dass es ihnen nicht darum geht, eine “Superprofession” zu erfinden. Sondern darum, „dedizierte Professionen für die Digitalisierung“ zu schaffen, „die als Teamspieler wesentliche Teilaufgaben übernehmen und gleichzeitig das gemeinsame Gesamtbild nicht aus den Augen verlieren.“

 

Der Digital Designer soll Gestaltungskompetenz mit „Wissen um die Möglichkeiten und Grenzen“ digitaler Technologien verbinden. Nutzerbedürfnisse, Budgets und technische Machbarkeit sollen das Spannungsfeld bilden, in dem er digitale Projekte gestaltet.

 

Zielgruppe sind nicht nur Schulabgänger, sondern auch diejenigen, die heute schon die Rolle des Designers in Software-Entwicklungsprozessen übernehmen. Sie sollen „befähigt und ermächtigt werden, Digitalisierungsvorhaben im Sinne des Digital Design zu führen“.

 

Ein vielversprechender Ansatz. Jetzt kann man nur hoffen, dass der deutsche Bildungsapparat sich in Bewegung setzt und den Impuls aufgreift.

 

Weitere Infos

 

Weitere Infos zum Digital-Design-Manifest – einschließlich der Möglichkeit, es zu unterzeichnen – finden Sie unter www.digital-design-manifest.de.

2018-10-25T16:32:59+00:0025. Oktober 2018|Standpunkt|0 Kommentare