Digitalisierung an Schulen – Sackgasse oder Chance?

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Digitalisierung an Schulen – Sackgasse oder Chance?

IoT, Machine Learning, Cloud Computing, Künstliche Intelligenz, Virtual Reality – was vor noch nicht allzu langer Zeit nach Science Fiction klang, ist heute bereits Bestanteil der Wirtschaft und des Alltags vieler Menschen. Die Technik der oben genannten Begriffe wurde in den letzten fünf Jahren salonfähig gemacht. Diese tollen Resultate unterstreichen einmal mehr, wie rasant die Digitalisierung voranschreitet. Gleichzeitig existieren viele offene Fragen. Die Digitalisierung wird den Arbeitsmarkt für immer verändern. Die Fachkräfte von morgen stehen vor völlig neuen Herausforderungen, wofür in der Bildung bereits heute der Grundstein gelegt werden muss. Leider wirkt der deutsche Bildungsapparat alles andere als bereit für tiefgreifenden Änderungen. Was sind die derzeitigen Probleme? Welche Maßnahmen müssen in den kommenden Jahren ergriffen werden, um die Schüler optimal auf das Berufsleben vorzubereiten? Wir haben die Sache unter die Lupe genommen …

Wie die Digitalisierung unser Berufsleben verändert

Während wir mit unserem Smartphone tagtäglich mit der restlichen Welt verbunden sind, vergessen wir häufig, wie atemberaubend die moderne Technik eigentlich ist. Oder denken Sie großartig über die Entwicklung Ihres iPhones nach, während Sie selbiges benutzen? Dass technische Errungenschaften keine Selbstverständlichkeit sind, wird sich in den kommenden Jahren auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen. Während zahlreiche neue Berufsbilder entstehen, werden andere Jobs wegfallen. In 10 Jahren werden viele Schul- und Studienabgänger Jobs belegen, die es heute noch nicht gibt. Dies führt zu völlig neuen Bildungsvoraussetzungen an Schulen. Diese sollen ab 2019 mit Bildungspaketen versorgt werden, um die technische Ausstattung zu verbessern. Das ist jedoch bei Weitem nicht die einzige Baustelle …

Prozessfertigung als Unterrichtsfach? Das sind die offenen Fragen und Probleme zur Digitalisierung an Schulen:

Was also sind die Hauptprobleme, die es in den nächsten Jahren dringend zu lösen gilt? Über das Thema Digitalisierung an Schulen wird viel diskutiert. Ein einheitliches, schlüssiges Konzept existiert jedoch leider noch nicht. Aktuell sind die Vorstellungen noch zu unterschiedlich. Dabei sollten folgende Kernfragen dringend beantwortet werden:

  • Welche der traditionellen Lehrinhalte müssen durch neue Topics ersetzt werden?
  • Wie sollen die zur Verfügung gestellten Mittel eingesetzt werden?
  • In wie weit ist die klassische Art der Unterrichtsführung noch praktikabel?
  • Sollen die Themen Digitale Supply-Chain, Prozessoptimierung und ERP Auswahl in einem eigenen Unterrichtsfach vermittelt werden?
  • Wie soll die digitale Transformation an Schulen im Detail vonstattengehen?
  • Welche Mittel werden langfristig benötigt, um sämtliche Maßnahmen durchzuführen?

Über Eines sind sich jedoch alle Experten einig: Lediglich die technische Ausstattung an Schulen zu verbessern, reicht längst nicht aus, um den Ansprüchen der Zukunft gerecht zu werden. Denn auch in der Arbeitswelt wird sich neben den technischen Komponenten vieles ändern, wie zum Beispiel die Aufgabengebiete und die Herangehensweise zur Problemlösung. Die Fähigkeit zu lebenslangem Lernen gilt laut Prognosen als eine der Schlüsselkompetenzen der Zukunft. In den vielen der heute etablierten Berufe ist dies jedoch nicht oder nur in geringem Maße erforderlich, weshalb diese Kompetenz in den Schulen bislang nicht gefördert wird.

Die Lösung: Menschen zum Mittelpunkt der Digitalisierung machen

Ist es also ein Ding der Unmöglichkeit, das Bildungssystem innerhalb weniger Jahre rundum zu erneuern und auf die neuen Anforderungen vorzubereiten? Die passenden Ansätze zur Lösung oben genannter Probleme sind greifbar, wenn man es schafft, folgenden Grundsatz zu etablieren: Der Mittelpunkt der Digitalisierung ist nicht die Digitalisierung selbst, sondern die Menschen, die sie gestalten. Neben dem nötigen technischen Verständnis, wird die gezielte Förderung bestimmter Softskills ein entscheidender Erfolgsfaktor sein. Dazu gehören Fertigkeiten wie innovatives Denken, Problemlösungsfähigkeit, Lernfähigkeit und autonomes Handeln. Aber auch eben Fehler zu machen und daraus zu lernen ist in den komplexen Gebilden der Digitalisierung nötig und muss vermittelt werden. Wer, denken Sie, ist hier vor Allem gefordert? Richtig, die Lehrkräfte!

Lehrer als Vermittler digitaler Kompetenzen

Bei der Umgestaltung des Schulunterrichts von morgen muss man am Anfang der Kette ansetzen und das ist die Ausbildung der Lehrer. Die Schulung digitaler Kompetenzen und die Wissensvermittlung mit modernen Geräten muss unabhängig vom Hauptfach zu einem Schwerpunkt des Lehramtstudiums gemacht werden. Es geht darum, ein ganzheitliches Konzept zu verinnerlichen, das nötig ist, um die sogenannte „Digital Literacy“ an die Schüler weiterzugeben. Unter dem Begriff versteht man die Fähigkeit, sich Wissen mit Hilfe von digitalen Tools anzueignen und es zu verarbeiten.

Digitalisierung nutzen und eingefahrene Strukturen lösen

Zu den größten Herausforderungen gehört zweifelsohne das Lösen von eingefahrenen Strukturen in den Schulen selbst. Dort wird die Digitalisierung leider oft kritisch beäugt, was eine Weiterentwicklung des Konzeptes erschwert. So gilt an vielen Schulen in Bayern beispielsweise ein Handyverbot. Finden Sie nicht auch, dass dies dem Ansatz der Digitalisierung widerspricht? Anstatt den Einsatz von vernetzten Geräten zu verbieten, sollten die Schüler bewusst dazu animiert werden, diese im Unterricht einzusetzen und sie zur Lösung von Aufgaben zu verwenden. Die gilt jedoch nicht nur für die Verwendung von Smartphones. Stellen Sie sich vor, man könnte den für viele Schüler ach so langweiligen Erdkundeunterricht durch den Einsatz von Virtual Reality Brillen aufpeppen und gemeinsam als Klasse digital die spannendsten Orte der Erde erkunden? Dies würde die Schüler nicht nur im Umgang mit den Geräten schulen, sondern mit Sicherheit auch die Vermittlung fachspezifischer Inhalte vereinfachen.

Lasst uns das Potential nutzen

Fakt ist: Die Digitalisierung an Schulen muss endlich als Chance für die Zukunft der deutschen Industrie wahrgenommen werden – man denke nur mal an die Bereiche Software und Prozessoptimierung in immer komplexeren Supply-Chains in Unternehmen. Eine Chance, die wirtschaftliche Power auf das nächste Level zu heben und zwar durch das technische Know-how der Fachkräfte der Zukunft, denn: Die Schüler von morgen bestimmen das Potential von übermorgen.

 

 

 

2018-12-11T21:42:09+00:006. Dezember 2018|Standpunkt|0 Kommentare